Luftschiffbau in Deutschland - auf Dauer unmöglich ?

(von: Udo Hannemann, IG Metall Arbeitskreis Alternative Fertigung, Bremen)



Als IG Metall Arbeitskreis "Alternative Fertigung" haben wir bereit ab 1982 vorgeschlagen, Luftschiffe zu bauen.

Anläßlich der Internationalen Nordseeumweltschutz Konferenz in Bremen habe wir 1984 zwei Broschüren vorgelegt, in der detailliert, mit Kostenvoranschlag und Einsatzprofilen, vorgeschlagen wurde, Luftschiffe für die Umweltschutzüberwachung der Nordsee einzusetzen.

Der eher bescheidene Beschäftigungseffekt von ca. 40 Mannjahre für eine Serie von drei Prototypen wurde bewußt in Kauf genommen, da langfristig höhere Beschäftigungszahlen erzielbar sind.

 
 
 
 
 
 

Mitte 1985 haben wir unsere Vorschläge kompakt zusammengefaßt in der Broschüre

"Arbeitsplätze schaffen durch neue und sinnvolle Produkte"

Beispiel "Das Luftschiff" - eine Dokumentation.

Nachdem der britischen Hersteller der Airship Luftschiffe, "Airship Industries", im Oktober 1990 Konkurs gemacht hat, war es eine Zeit ruhig um dieses Thema. "Airship Industries" hatte fünfzehn kleine Luftschiffe gebaut, davon acht verkauft und die restlichen verpachtet.

In der letzten Zeit wurden nun aber immer wieder Berichte gefunden, die sich mit der Renaissance der Luftschiffe beschäftigten.

Konzepte von neuen, Energiesparenden oder umweltschonenden Zukunftsperspektiven im Bereich Personen-, Schwertransport oder Touristikflüge, realisiert mit Projekten wie der "Zeppelin NT", der "CARGO-Lifter"; "FirstLight 2000", "Rigid Airship Design", "ALA600" "Thermoplan" und immer wieder Kleinmodelle wie der "Stingray" (Stachelrochen) oder "Luftfisch", die meist von Studenten im Rahmen ihrer Studienarbeiten gebaut werden, überraschen uns mit ihrer Ankündigung.

Die Ernsthaftigkeit dieser Luftschiffbauaktivitäten zweifele ich aber aus den auf der nächsten Seite aufgeführten Gründen an.



Warum ist Lufschiffbau "auf Dauer unmöglich ??"

Hintergrund:

Die Zeppelinstiftung wurde vom Grafen Zeppelin 1908 gegründet. Mit Geldern, die aus der Volkssammlung zum Neubau des bei Echterdingen zerstörten Zeppelin gespendet wurden und mit Geldern, die das Deutsche Reich 1927 beisteuerte. Zweck der Zeppelinstiftung sollte der Bau und die Förderung der Luftschiffe sein.

Dies ist und bleibt der unveränderbare Stifterwille !

Nun passierte folgendes:

Im Jahr 1945 sollte die nicht unvermögende Zeppelinstiftung durch die allierten Behörden aufgelöst werden. Genauso, wie alle Firmen, die sich im Krieg mit Luftfahrt beschäftigt hatten.

Nun hatten der Vorstand der Zeppelinstiftung aber eine geniale Idee (....fun idea.....fun idea....).

In der Stifterurkunde wurde verfügt, daß, sollte in Deutschland der Luftschiffbau ...auf Dauer unmöglich sein..., die Stiftung nicht aufgelöst werden, sondern mit geändertem Zweck weitergeführt werden sollte.

Die Gelder der Zeppelinstiftung sollten der Stadt Friedrichshafen für soziale und kulturelle Zwecke zugeführt werden. Da traditionsgemäß der Bürgermeister von Friedrichshafen gleichzeitig Vorsitzender der Zeppelinstiftung ist, traf sich das sehr gut. Die Zeppelinstiftung, der z.B. u.a. die Zahnradfabrik Friedrichshafen mit Weltweit heute (1999) ca. 20.000 Beschäftigten gehört, schüttet pro Jahr mehrstellige Millionenbeträge aus (1972 ca. DM 5 Mio).

Da nun der Bau von Luftschiffen wirklich nicht "auf Dauer unmöglich" ist, wurde in der Nachkriegszeit mehrfach versucht, die Zeppelinstiftung wieder dem ursprünglichen Stifterwillen zuzuführen - dem Bau und der Förderung des Luftschiffes.

Mit dem "Rechtsgutachten" von Prof. Dr. h.c. Fritz Bauer, Tübingen, vom 11.10.1971, im Auftrag der Stadt Friedrichshafen, und mit der "kommunalrechtlichen Ergänzung" von Ministerialdirektor a.D. Dr. Meyer-König , Tübingen, 07.08.1972 zum vorgenannten Gutachten, belegte der Stiftungsvorstand, daß eine erneute Umstellung des Stiftungszweckes nicht möglich sei und die Gelder auf alle Zeiten der Stadt Friedrichshafen zufließen müssen.

Hiermit konnte sich der SPD Bundestagsabgeordnete Karl-Arnhold Eickmeyer aus Cuxhaven nicht abfinden und beauftragte 1981 den Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages, Fachbereich III, Verfassung und Verwaltung, mit einem Gutachten. In diesem Gutachten von ORR Dr. Kolbe vom 19.03.1982, Reg. Nr. WF III-45/82 wurde eindeutig festgestellt, daß der ursprüngliche Stifterwille in jedem Fall Vorrang hat und durch die Aufsichtsbehörde, dem Innenministerium von Baden-Würtenberg, wieder hergestellt werden kann.

Danach hätten alle zukünftigen Gelder der Zeppelinstiftung für den Bau oder der Förderung des Luftschiffbaus ausgegeben werden müssen!

Dies hat die zuständige Aufsichtsbehörde, das Innenministerium des Landes Baden-Würtemberg aber bis zum heutigen Tag unterlassen.

Da Herr MdB Karl-Arnhold Eickmeyer in der Folgezeit erkrankte und sich nicht weiter um diese Dinge kümmerte, wurde dieser Weg nicht weiter verfolgt.

Damit bleibt also alles wie bisher

Die Zeppelinstiftung zahlt Jahr für Jahr Millionenbeträge (ca. DEM >100 Mio/p.a.) an die Stadt Friedrichshafen,

und der Bau von Luftschiffen bleibt in Deutschland auf Dauer unmöglich..............
 
 


(Weitere Info: Tel: (0421) 5980107 / Fax: (0421) 5980109 / e-mail: udo@hannhome.de)